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Bericht zum Meisterkurs Orgelliteraturspiel mit Prof. Wolfgang Rübsam (Saarbrücken)

Kursthema: „Bach und Guilain“

Bericht des KA-Studenten Johannes Schmid

Der Orgelkurs mit Wolfgang Rübsam wurde bereits am Sonntag mit einem Orgelkonzert im Rottenburger Dom eingeläutet, in dem der Interpret neben der Sonate für Orgel in A-Dur op. 188  von Josef Gabriel Rheinberger, Bachs Präludium und Fuge in c -moll  und auch Auszüge aus den Schübler-Chorälen spielte. Bereits hier deutete sich an, welche gewichtige Rolle er der Bassstimme in Bachs Orgelwerken beimisst. Wie im Kurs in den darauffolgenden zwei Tagen deutlich wurde, soll der Bass - wie in Continuo-Praxis - als Dirigent auftreten. Daneben erhielten die Kursteilnehmern noch weitere wichtige Anregungen für die Musizierpraxis der Orgelwerke Bachs. So wurde zur allgemeinen Erleichterung vernommen, dass in der Bach-Zeit überhaupt nicht Orgel geübt wurde. Wenn dieser Fall  aber doch eintreten sollte, solle man – so  Rübsam – hinhören, was die Orgel erzählt. Auch eine Instrumentierung der Werke helfe bei der Interpretation. Weitere wichtige Erkenntnisse waren, dass man versuchen sollte, Fingersätze zu benutzen, die nicht wie „zu viel Butter auf dem Brot klingen“, „nicht hopsen sollten“, und die Beine beim Bach-Spiel nicht verknoten sollten. Schließlich machte der Kursleiter noch darauf aufmerksam, dass das melodische Element vom Harmonischen unterschieden werden sollte, was interessante Aufschlüsse über die Kunst der Phrasierung bot, die Rübsam wie kaum ein Zweiter beherrscht. Zur Ausführung Guilains Werke waren vor allem Rübsams Anregungen zur Ornamentik interessant. Diese müsse man hauptsächlich an die Verzierung in der Cembalo-Praxis anlehnen. Daraus konnte man schließen, dass nicht alle Stimmen gleichzeitig gespielt werden müssen, sondern arpeggiert werden können, Wiederholungen immer ausgeschmückt werden, und dass grundsätzlich immer verziert werden dürfe, wenn Nichts passiere. Rübsams Spielanregungen waren aber nicht nur für das Orgelspiel wichtig, sondern dienen durchaus auch dem Alltag: So riet er den Teilnehmern „die Katze zu graulen,  nicht zu kratzen“. Diese Grundsätze dürfe man getrost glauben, ließ der Chartres-Gewinner von 1973 verlauten, da er genau wisse, wie man die großen Wettbewerbe gewinne.