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Orgelkonzert – Norbert Richtsteig, Aachen

Werke von Bach, Debussy und Improvisationen

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Passacaglia c-Moll
BWV 582

Claude Debussy (1862 – 1918)
Cortège
(Transcription pur Orgue par Léon Roques)

Norbert Richtsteig (*1948) 
Symphonie d-Moll (Improvisation)
- Adagio – Allegro
- Intermezzo
- Scherzo
- Adagio
- Final - Allegro

Die Passacaglia ist ein Werk, bei dem sich über ein achttaktiges Thema im Bass Variationen schichten. Das Bass-Thema erklingt immer in der gleichen Tonart. In Johann Sebastian Bachs Passacaglia c-Moll – eines seiner gewaltigsten Orgelwerke – setzt der Komponist über einen harmonisch ausgreifenden, achttaktigen Bass 20 Variationen. Abweichend von der Regel wird das Thema zeitweise auch in Ober- und Mittelstimme gebracht. Anschließend führt Bach eine gleichgewichtige, vollständig ausgearbeitete Fuge an, bei dem die ersten vier Takte des Themas mit einem neuen Motiv verknüpft werden.

Claude Debussys Cortége ist Teil der Petite Suite, im Original ein Werk für Klavier zu vier Händen. Die Tonart ist im Original einen halben Ton höher gesetzt. Das Werk hat eine klare A-B-A Dreiteilung. Auch in der Fassung für Orgel hat das Stück viel von der Leichtigkeit und Unbeschwertheit des Originals behalten.

Die Improvisation findet man neben dem Jazz heute fast nur noch in der Orgelmusik. Das Wesen der Improvisation sind Einmaligkeit und Spontaneität der Erfindung. Der Organist spielt nicht nach komponierten Noten, sondern er erfindet Musik im Augenblick seines Spiels. Seine Musikschöpfung und die Darbietung finden also gleichzeitig statt.
Das bedeutet aber kein zügelloses Phantasieren ohne Ziel und Absicht, sondern ein Gestalten, bei dem der Impuls durch ordnende Überlegung gelenkt wird. Unbewusstes und bewusstes Tun, Freiheit und Bindung müssen hierbei in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Eine solide Spieltechnik, Kenntnisse von Tonsatz und musikalischen Formen, ein musikalischer Geschmack sind dabei unabdingbar.
Die Improvisation ist in der katholischen Liturgie unverzichtbar. Sie kann spontan auf Texte und Sinngehalt von Liedern eingehen, Stimmungen aufnehmen und vertiefen.
Norbert Richtsteig

 

Domorganist Norbert Richtsteig, Aachen

Norbert Richtsteig, geb. 1948 in Rheinberg/Ndrh., aufgewachsen in Kamp-Lintfort/Ndrh., stammt aus einer Organistenfamilie. Bereits mit acht Jahren vertrat er seinen Vater an der Orgel.

Er studierte Kirchenmusik an der Kirchenmusikschule St.-Gregorius-Haus in Aachen, Orgel bei Herbert Voß, Aachen. 1969 schloss er mit dem A-Examen und einer Auszeichnung in Improvisation das Studium ab. Weitere Studien führten ihn nach Köln zu Prof. Michael Schneider und er belegte Interpretationskurse bei André Isoire, Peter Planyavsky und Ludger Lohmann.
Bis zur Schließung der Katholischen Hochschule für Kirchenmusik St. Gregorius in Aachen war er dort Dozent für Orgelimprovisation und Orgelliteraturspiel. Seit 1987 ist er Domorganist am Hohen Dom zu Aachen. Für seine reichhaltigen Verdienste um die Orgelmusik wurde ihm 2007 der Ehrentitel Bischöflicher Kirchenmusikdirektor verliehen.

Zahlreiche Orgelkonzerte im In- und Ausland, Rundfunkaufnahmen und CD-Produktionen (Orgelliteratur und Improvisation) belegen seinen Ruf als herausragenden Organist und Improvisator.

Das Konzertprogramm können Sie hier herunterladen.