Alumni

Rottenburger Alumni

Die Rottenburger Kirchenmusikhochschule strahlt aus durch Sie, liebe Absolventinnen und Absolventen!
Wir hoffen, dass Sie mit Freude an Ihre Alma Mater zurückdenken.

Sie sind in ganz verschiedenen Kontexten heute beheimatet und möchten gerne mit früheren Kommilitonen und Gleichgesinnten in Kontakt kommen. Sie können dann gerne mit uns Kontakt aufnehmen, so dass wir Sie über unserer Veranstaltungen informieren können.

 

Bekannt gewordene Alumni unserer Hochschule

  • Markus Eichenlaub, Domorganist in Speyer
  • Georg Fehrenbacher, Kirchenmusikdirektor, Dekanat Tuttlingen-Spaichingen
  • Thomas Gindele, Kirchenmusikdirektor, Dekanat Göppingen-Geislingen
  • Markus Grohmann, Kirchenmusikdirektor, Dekanat Esslingen-Nürtingen
  • Rudolf Hendel, Kirchenmusikdirektor, Dekanat Balingen
  • Walter Hirt, Diözesanmusikdirektor, Leiter des Amtes für Kirchenmusik der Diözese Rottenburg-Stuttgart
  • Rudolf Schäfer, Kirchenmusikdirektor, Dekanat Rottweil
  • Harald Schmidt, deutscher Schauspieler, Kabarettist, Schriftsteller und Moderator

 

Harald Schmidt
TV-Star mit C-Prüfung
„Während meiner fast zehnjährigen Tätigkeit als Hilfsorganist in der katholischen St.-Johannes-Gemeinde in Nürtingen war ich zuständig für die Teilgemeinden Neckarhausen und Zizishausen sowie für den Kindergottesdienst. Neckarhausen und Zizishausen hatten Ende der siebziger Jahre keine eigene katholische Kirche, deshalb waren wir sonntags um 8.15 Uhr zu Gast in den Gotteshäusern der evangelischen Brüder und Schwestern oder – wie es damals hieß – beim Pietkong. Kurz vor acht traf ich mich mit dem Pfarrer in der Sakristei von St. Johannes. Dort packten wir den mobilen Einsatzkoffer mit vorgefertigten Fächern für Kelch, Hostienschale, Stola und Meßgewand und fuhren dann auf die Dörfer.
Im Auto bekam ich den Zettel mit den Liedern, die am jeweiligen Sonntag gesungen wurden. Es galt unter Organisten als besonders cool, sich die Choräle erst kurz vor Gottesdienstbeginn nennen zu lassen, weil man angeblich alles vom Blatt spielen konnte. Ich war ein ziemlich schlechter Vom-Blatt-Spieler, es gab für mich regelrechte Horror-Choräle („Ein Haus voll Glorie schauet“, Gotteslob 639), bei denen ich immer wieder an denselben Stellen fürchterlich danebengriff. Wenn es besonders falsch war, drehten sich die Gläubigen in den Bänken nach der Orgel um, was ich im Rückspiegel sehen konnte. Eines Tages beschloß ich dann, die C-Prüfung zu machen. Das ist die für nicht hauptamtliche Kirchenmusiker; sie umfaßt Fächer wie Harmonielehre, Gehörbildung, Improvisation und Orgellehre. Hauptkandidaten sind extrem ehrgeizige Hausfrauen aus Oberschwaben und Schüler, die sich auf die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule vorbereiten. Oder Leute wie ich, die einfach mehr Geld wollten. 1977 bekam ich nämlich pro Gottesdienst 5 Mark, mit C-Prüfung aber 15 Mark. Außerdem flößte die C-Prüfung den Gläubigen höllisch Respekt ein.
Ich spielte noch genauso falsch wie vorher, erklärte das jetzt aber als mehrfach verminderte Akkorde, Quintsextakkorde oder sixte ajoutée mit zusätzlicher None im Baß. Teilweise war für die Gemeinde nicht mehr zu erkennen, welchen Choral ich gerade spielte, weil ich „frei harmonisierte“. Bedeutet: Vor mir stand das Gesangbuch, in dem die Melodie notiert ist. Die Harmonien dazu werden spontan gespielt, wozu man sehr versiert sein muß – oder einfach unverschämt. Einmal brach der Pfarrer mitten in „Tauet, Himmel, den Gerechten“ (Gotteslob 803) ab, und wir sprachen auf der ganzen Heimfahrt kein Wort.
Neben den normalen Gottesdiensten gab es als lohnende Zusatzeinnahme die musikalische Umrahmung von Hochzeiten. Der Basistarif lag bereits bei 30 Mark. Sonderwünsche mußten extra honoriert werden. Die Favoriten waren das „Ave Maria“ von Bach/Gounod, der „Hochzeitsmarsch“ von Mendelssohn-Bartholdy, „So nimm denn meine Hände“ von Julie Hausmann/Friedrich Silcher und das „Heilig“ von Franz Schubert. Trat ein Fußballer in den Stand der Ehe, wurde fast immer die „Eurovisionsfanfare“ gewünscht (20 Mark extra), die damals vor Europacup-Spielen im Fernsehen erklang und auf der Orgel bombastisch wirkte. Absoluter Renner war jedoch die „Toccata von Ekseption“. Es handelt sich dabei um die berühmte Toccata von d-Moll von J. S. Bach, der den Amateurfußballern aber weniger geläufig war als die holländische Pop-Gruppe, die damals mit ihrer Version ziemlichen Erfolg hatte.
Vielleicht sind die C-geprüften Hilfsorganisten die wahren Erben Bachs. In kalten Gotteshäusern versehen sie bei schlechtem Licht und oft auf sehr vernachlässigten Instrumenten ihren Dienst, ganz wie das Genie im 18. Jahrhundert. Ohne die ehrenamtlichen Organisten wären die meisten Gottesdienste ohne Musik.“

Harald Schmidt (geb. 1957): „Der Bischofsstab als Taktstock“, in: Spiegel special 12/1995, S. 119-121; zitiert nach Meinrad Walter, Mein Lieblingsinstrument. Die Orgel, Ostfildern, Stuttgart 2004, S. 25-27.